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My time with Ecotraining -  Stefanie Vetter

Stefanie hat über uns die Grundausbildung zum Ranger gebucht, dabei ganz viel erlebt und ihre Abenteuer in einem Blog zusammengefasst. Ein paar Ausschnitte möchten wir hier mit euch teilen...

 

Name:
Stefanie Vetter

Ziele:
Greater Kruger National Park (Selati & Karongwe)

Wie war's?

Großartig!

 
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" So, zwei Monate rum und ich bin wieder da. Noch bin ich ein Gefühlschaos, denn das vorweg: Der Abschied vom Busch war grausam und ich wünschte, ich könnte noch etwas länger in dieser Wildnisblase leben. Um die Erinnerungen zu bewahren, bemühe ich mich, so viel wie möglich aufzuschreiben und vielleicht haben ja ein paar von euch Freude dran, das zu lesen. Ich warne vor übertriebenem dramatischen Buschherzschmerz!"

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Ab ins Camp

Der Kleinbus holt uns um sieben Uhr morgens im Emerald backpackers in Johannesburg ab. Diese Unterkunft habe ich weniger lieb gewonnen. Ich weiß, ich begebe mich für zwei Monate in den Busch in ein recht einfaches Zelt, aber von meiner letzten Nacht in einer Unterkunft habe ich nicht erwartet, dass mich eine Kakerlake auf dem Bettlaken begrüßt, eine Ameisenstraße fröhlich durch mein Zimmer wandert und die Spinnen mir beim Duschen, Schlafen und Pinkeln zuschauen. Vielleicht ist das aber ja schon eine Einstimmung. (...)
Als wir endlich nach 5 Stunden Fahrt mit leeren Mägen die Tore zum Selati Game Reserve erreichen, funkeln wir uns gegenseitig mit weit aufgerissenen Augen an. Sehen wir auf dem Weg dorthin schon Tiere und wie sieht eigentlich dieses Camp aus, in dem wir wohnen werden und vor allem, mit wem werden wir die Zelte teilen?
Das Camp liegt versteckt, etwa zwanzig Minuten vom Gate mitten am Flussbett im Busch. Und nein. Bisher haben wir nichts gesehen, aber das Erste, was wir im Camp zur Begrüßung erfahren, ist, dass Löwen letzte Nacht an unseren Zelten vorbeigeschlichen sind. Die Tracks sind eingekreist, aber ich laufe erst einmal drüber. Weiß ich ja nicht, wie die aussehen. Ich lache peinlich und sage dumm“Sorry!“ Die zweite Information ist etwas enttäuschend: Ich habe ein Zelt für mich alleine und Isabelle wohnt mit Barbara und Katie mit Shira zusammen. Na gut, werde ich eben alleine vom Löwen gefressen und vielleicht die anderen zuerst, in deren Zelten ist schließlich mehr drin. Hoffentlich weiß der Löwe das auch. Ansonsten hört man das bestimmt beim Schütteln. So ähnlich wie mit dem Überraschungsei, stelle ich mir vor.
(...)
Die Geschichte von Zelt zehn hat sich rumgesprochen, denn die Person in Zelt zehn hatte ebenfalls einen nicht ganz funktionsfähigen Reißverschluss und zweimal kam eine Cobra kuscheln. Seitdem steht Zelt zehn leer. Ein paar weitere Warnungen werden durchgegeben. Unsere Instruktoren Vaughn, Jan und Steve informieren uns darüber, dass letzte Nacht eine Hyäne im Bad der Mädels war. Jetzt finde ich unser Bad doch nicht mehr so komfortabel. Und dann zeigt Jan uns die Schlangenspuren direkt davor.
Als wir das Organisatorische und das Vorstellen später am Tag ums Feuer geklärt haben, frage ich Jan, wie ich mich verhalten soll, wenn ich eine Schlange oder Hyäne im Bad treffe. „Du verhältst dich ganz normal wie immer, wenn du eine Schlange siehst, keine hektischen Bewegungen und abwarten“, sagt er ganz locker und ernsthaft zu mir. Der ist wohl nicht in Deutschland aufgewachsen.
Die erste Nacht schlafe ich unruhig. Tausend Geräusche und ich kann kaum eines identifizieren. Draußen vor meinem Zelt knackt es öfter, jemand grast und wandert um mein Zelt. Isa ist es nicht. Das ist schön mal klar, aber ich komme noch dahinter.  Ich werde in den nächsten Wochen noch viele solcher Begegnungen haben und sie bestimmt genauer identifizieren können.

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Alltag und Geräusche im Camp

Die ersten Tage in Selati sind heiß, staubig und trocken. Jeden Tag hat ein Zelt „Duty“ und muss um 4:30 Uhr heißes Wasser, Rusks, Kaffee und Tee bereitstellen, bevor wir um 5 Uhr geweckt werden, um dann eine Stunde später mit dem Morning Drive zu starten. Die ersten Tage überfluten die Instruktoren uns mit Informationen, unsere Stifte geben einer nach dem anderen den Geist auf und die Notizblöcke füllen sich mit Zeichnungen und hektischen Buchstaben. Es ist witzig zu sehen, dass Guides und Lehrer schon ein paar Gemeinsamkeiten haben. Sie sind auch ein „all in one-Paket“ und müssen tausend Aufgaben gleichzeitig bewältigen und Lehrer, Guide, Berater und Bespaßer in einem sein. Wir versuchen alles aufzusaugen und festzuhalten, was uns unsere Guides in den sieben Stunden pro Tag auf dem Drive erzählen, aber es ist schwer, die Dinge jetzt schon zu verknüpfen.  Hinzu kommt die neue Umgebung und die neue Gruppe. Ich weiß endlich wieder ganz genau, wie meine Schüler sich fühlen, wenn sie in eine neue Klasse oder neu auf unsere Schule kommen. Orientierungslos, verloren und vor allem blöd. Ich habe keine Ahnung von nichts, ungefähr gefühlte dreihundertsiebenundachtzig Vögel singen gleichzeitig, dazu fiepst ein Tree Squirrel und hüpft wild im Baum herum, was ich am liebsten grade auch tun würde,  und fünfzig Tracks im Sand häufen sich übereinander und bitteschön-  jetzt alle einmal alles angucken und identifizieren!
(...)
Schon nach zwei, drei Wochen macht das Vogelraten Spaß und man freut sich wie ein Kind, wenn man einen neuen Ruf richtig identifiziert.
Eine der schönsten Stimmen der Nacht im Busch hat die Hyäne. Ein unverwechselbarer Konktaktruf, auf den wir oft geradezu warten, um uns in den Schlaf zu wiegen. Fast jede Nacht hören wir auch die Löwen rufen, ein so mächtiges Lied, dass du sofort den Atem anhältst, wenn es beginnt. Man kann es über mehrere Kilometer hören. „Whooooooose land is this? Whoooooooose land is this? It’s myyyy land, myyyy land, myyyy land”, sagt der Löwe, wie uns Gino erzählt. (...)

Regelmäßige Besucher im Camp sind unsere Nyalas. Wenn du merkst, dass jemand an dein Zelt pinkelt, dann ist es wahrscheinlich ein Nyala. Wenn es spricht, ist es einer der Jungs, der sich betrunken im Camp verirrt hat, aber meistens gehen sie gar nicht so weit zum Pinkeln, sondern öffnen nur den Hosen- und Zeltreißverschluss.
(...)


Am nächsten Morgen wachen wir auf und die Giraffenspuren sind deutlich überall zu erkennen. Das sind Tracks, die relativ leicht zu lesen sind, denn sie sind Paarhufer und kein anderes Tier hat so einen ovalen, langen Track. Außerdem hat sie unsere Wäscheleine heruntergerissen, als sie am Waschraum vorbeizog.
Anders als die Elefanten ist sie aber nicht an unserem Wasser interessiert, denn Giraffen sind extrem intelligente Wiederkäuer, die alle Nährstoffe aus ihrer Nahrung saugen und ihr Dung ist deshalb so trocken und unverkennbar auf dem Boden verteilt, weil er aus einer solchen Höhe fällt. Es ist ein Vergnügen zu sehen, wie der Essensknäuel den langen Hals wieder hochkommt. Elefanten hingegen hinterlassen bis zu 100kg feuchten Dung am Tag. Deshalb müssen Sie auch so viel fressen und trinken (120-300 kg und 120l am Tag). Aber das ist eine andere Geschichte, als die Elefanten mal wieder ins Camp kamen.

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Stress im Busch

(...)

Wir haben zwar keine Ahnung, welcher Wochentag ist, aber wenn es Field OPS gibt, muss es wohl Sonntag sein. Das sind praktische Tests mit dreißig schriftlich zu beantwortenden Fragen, die uns die Instruktoren im Busch stellen. Dazu versammeln wir uns um sieben (was für uns alle ausschlafen bedeutet-yay) und die Instruktoren händigen jedem von uns ein Blatt auf einem Klemmbrett aus, was im Nachhinein abgegeben und bewertet wird. Wir verlassen das Camp und sie ziehen eine Linie auf dem Boden, an der wir zu warten haben, während sie sich gemeinsam dreißig Fragen ausdenken, die aus Identifikation von Bäumen, Tracks, Vogelrufen, Dung und anderen Rätseln besteht, je nachdem, was ihnen gerade so über den Weg läuft.

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Die Stimmung nach den ersten Field OPS ist gedrückt. Die letzte Woche war so intensiv und voller neuer Eindrücke und Informationen, dass es schwierig war, diese zu sortieren und die Fragen richtig zu beantworten. Hinzu kam, dass unsere Guides ein paar Trickfragen gestellt haben, mit denen wir nicht gerechnet haben.

(...)

Wir haben in der ersten Woche viel über Dung gelernt. Fast auf jedem Drive inspizierst du einen Haufen oder ein paar andere „Droppings“. Natürlich nur die der Pflanzenfresser, alles andere enthält möglicherweise schädliche Bakterien und bei allem, was bei der Betrachtung von Löwendung und Hyänendung sichtbar ist, erklärt es sich von selbst, dass man die haarige Hinterlassenschaft nicht anfassen sollte. Allerdings sollte man die Bedeutung von Hyänendung nicht unterschätzen, er stellt für viele andere Tiere eine unverzichtbare Kalziumquelle dar, dem Hyäenen verfügen über die einzigartige Eigenschaft, Knochen mit ihren messerscharfen Zähnen so gut aufspalten zu können, dass sie sie verzehren. Hinzu kommen spezielle Bakterien im Magen, die diese zersetzen können. So frisst zum Beispiel auch die Leopardenschildkröte die Hinterlassenschaften der Hyäne und stärkt somit ihren Panzer. Es ist wahnsinnig, wie eng hier alles verknüpft ist und je öfter wir mit Steve, Vaughn oder Jan rausgehen, desto mehr spinnt sich ein logisches Netz der Verknüpfung von allem hier draußen.


Kommen wir zurück zu den Field OPS und wie unsere Guides uns reingelegt haben.

(...)


An diesem Morgen haben unsere Guides den Elefantendung zertreten und nach hinten gekickt und haben es dadurch aussehen lassen, als sei es ein Rhino gewesen. Aber das war nicht das Einzige. Sie haben uns die Spur eines vom Wind auf den Boden gedrückten Grashalms identifizieren lassen, was die meisten von uns für ein Insekt hielten, weil wir es vorher noch nie besprochen hatten. Außerdem haben sie mit ihren Händen weitere Spuren in den Boden gedrückt, um uns zu verwirren. Dass der Himmel heute bewölkt ist, macht es nicht einfacher, denn normalerweise hast du beim Spurenlesen die Spur zwischen dir und der Sonne.


„Ich werde euch nächstes Mal bei der Aufgabenstellung ganz genau mit dem Fernglas beobachten, Leute!“, droht James unseren Guides verärgert an. „Situational awareness“, ist ihre souveräne Antwort und sie beharren darauf, dass wir lernen, auch solche Dinge zu lesen.
Auch ich gehe frustriert ins Camp zurück. Es war einfach wirklich viel Neues diese Woche und es ist nicht so, als gäbe es hier keinen Druck. Schon in der nächsten Woche fangen wir an, selbst zu guiden und es wird erwartet, einen kompletten dreistündigen Drive zu leiten und mit wertvollen Informationen zu füllen. Hinzu kommen die unbekannten Themen aus dem workbook, das wir tiptop auswendig lernen müssen, um den Theorietest in ein paar Wochen zu bestehen. Nach jeder Vorlesung fühlst du dich ein bisschen dümmer und siehst lieber zu, dass du dein Wissen in Geologie, Astronomie, Taxonomie, Human Habitation, conservation management, ecology und nebenbei eben noch Reptilien, Amphibien, Säugetiere und so weiter ausweitest oder dir überhaupt aneignest. Und das Fachvokabular kommt auf Englisch obendrauf.

(...)

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Die ersten Elefanten

Heute haben wir einen „study day“ und können den dichten Lernstoff durchgehen und an unseren Workbooks arbeiten. Trotzdem wird ein kurzer Morning Drive angeboten. Vaughn und Jan nehmen sich die Zeit, mit uns durch den Busch zu fahren. „Elefanten rechts in den Mopanebäumen!“, ruft Vaughn Jan von Beifahrersitz zu. „They’re moving quite fast but let’s try to walk them“, sind sich beide einig und wir sagen ganz bestimmt nicht nein, denn es ist das allererste Mal, dass wir Elefanten in Selati sehen. Wir halten an und beide entfernen sich ein paar Meter, um ihre Gewehre zu laden. Sie wiederholen noch einmal die Regeln, die wir bei einem Fußmarsch einzuhalten haben und schon folgen wir ihnen. Die beiden lesen die Spuren auf dem Boden und fordern uns zwischendurch immer wieder zum Anhalten auf, damit wir das typische Knacken der Bäume lokalisieren können, das ein klarer Indikator für die Präsenz der Elefanten ist. Da ist es wieder. Sie sind also noch in erreichbarer Distanz. „Weiter geht es, Leute. Aber marschiert leise!“, erinnern sie uns.
Einen Augenblick später schaut Vaughn die langsam laufende Schülergruppe etwas ungeduldig an, denn wir reagieren nicht schnell genug, als er ein paar Bullen im Busch sieht und in die Hocke geht, was wir ihm gleichtun sollen. „Wenn ich in die Hocke gehe, geht ihr auch sofort in die Hocke“, hat er uns zuvor flüsternd angewiesen und nun stehen wir etwas blöd im Busch, eine Hälfte der Schlange aufrecht, andere hockend und wieder ein paar Leute trampeln noch etwas zu laut die vielen Mopaneblätter auf dem Boden zusammen. Die Elefanten ziehen eilig weiter und wir halten noch immer zu großen Abstand zum Vordermann.
Aber er hat Geduld mit uns. Er fragt uns, ob wir uns in dieser Situation wohl fühlen, damit er uns ein Stück näher an die Elefanten heranführen kann. Wir reagieren dieses Mal ein wenig schneller, als die riesigen Bullen in unserer Sichtweite sind und wir verhalten uns ruhig, so gut wir es können. Ich weiß nicht, wie unsere Guides es schaffen, so lange in der Hocke zu verharren, ohne auch nur ein Bein dabei zu drehen und das Gewicht zu verlagern. Ich hoffe, es ist Übung, denn ich spüre mein rechtes Bein kaum noch und finde, es sieht auch schon ziemlich abgeklemmt aus. Den Gesichtern meiner Mitschüler nach zu urteilen, geht es denen gerade ähnlich. Die Bullen sind nun circa zwanzig Meter von uns und haben uns bemerkt. Einige kommen etwas näher und betrachten uns argwöhnisch. Ich höre mich schneller atmen und versuche, mich zu beruhigen. Vaughn blickt uns rückversichernd mit einem wohlwollend vertrauten Blick an und gibt uns damit Sicherheit. Als der Bulle ihm noch näher kommt, nimmt er seinen Hut langsam ab und legt ihn mit einer unerschütterlicher Ruhe vor sich auf den Boden. Der Bulle schaut neugierig, respektiert ihn und zieht friedlich an ihm vorbei.
„Der Schlüssel zu einer guten Elefantenbegegnung ist Vertrauen“, erzählt er uns, als die Herde etwas weiter weg ist und wir uns eng zwischen den Mopanebäumen versammeln. „Es gibt keinen Grund, Angst vor Elefanten zu haben“. Er hat gut Reden. Wenn diese gewaltigen, bis zu 6000kg schweren Geschöpfe vor dir stehen, einen Baum nach dem anderen mit einer sagenhaften Leichtigkeit umschubsen und elf Meter in nur einer Sekunde zurücklegen können, dann sei mal entspannt und hab Vertrauen in dich selbst und das Universum. Ich weiß bei meinen ersten so nahen Elefantenbegegnungen nicht mal mehr, wo oder wer ich bin und schon gar nicht, wo das Universum und mein Vertrauen sein sollen.
Aber die Art und Weise, auf die Vaughn diesen mächtigen Wesen begegnet, hat einen Zauber inne, der mit Worten nur schwer zu erklären ist. Es klingt seltsam, aber er scheint einen sechsten Sinn zu haben, der ihm hilft, sie nicht nur zu lokalisieren, sondern auch zu verstehen und mit ihnen zu kommunizieren. Wir haben uns bei dieser ersten faszinierenden Begegnung mit den Bullen trotz großem Respekt und sicherlich auch Angst immer sicher gefühlt. Auf Deutsch gesagt geht dir nämlich der Arsch auf Grundeis, wenn du einem solchen Tier ausgesetzt bist. Theoretisch kann es dich in null Komma nichts dem Erdboden gleichmachen, wenn es Lust dazu hätte. Vaughn lässt uns gleich bei unserer ersten Begegnung die Besonderheit eines solchen Momentes spüren und der Zauber dieses Aufeinandertreffens kribbelt noch den Rest des Tages in unserem Körper.

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Endlich mein erstes Nashorn!

Wir sind erst ein paar Tage im Camp und sind auf unseren Drives bisher nur ausgestiegen, um Tracks oder Bäume oder Insekten zu identifizieren. Heute sind wir mit Jan unterwegs. „Fresh Rhino tracks, guys!“, sagt er plötzlich und es ist, als wenn sich plötzlich ein Schalter bei ihm umlegt. Das Licht der anderen Welt ist ausgeknipst und er scheint nur noch die Spuren des Rhinos zu sehen. Sein Blick verengt sich, er folgt den Spuren ein paar Meter und dreht sich wieder zu uns um. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir diesen Typ finden. Wollt ihr ihn mit mir erlaufen?“, fragt er uns und wir nicken aufgeregt. Er weiß zwar, dass wir noch nicht wissen, wie man sich zu Fuß im Busch anstellt, aber der Reiz ist für ihn zu groß und er gibt uns ein Blitzbriefing über walking im Busch. „Ok, ihr habt noch nicht gelernt, im Busch zu laufen, aber bleibt in einer Linie, haltet immer eine Armlänge Abstand zum Vordermann und bleibt immer zusammen, sonst kann ich euch nicht beschützen. Es wird nicht gerannt, es wird nicht geredet, ihr lauft so leise, wie ihr könnt und falls irgendetwas los sein sollte, gebt mir eine kurzers „pssst“, alles klar?“. Er lädt sein Gewehr, schnallt sich den Patronengürtel um und geht voran. Rhinos können verdammt schnell sein, sie erreichen eine Geschwindigkeit von bis zu 55km/h.


Wir sind super aufgeregt, wir haben noch gar kein Nashorn gesehen und jetzt nähern wir uns vielleicht einem zu Fuß an, wenn wir es finden. Es ist ein Breitmaulnashorn, wie Jan aus der etwas größeren Spur liest. Wir haben in Selati auch Black Rhinos, allerdings sind die etwas scheuer und meist schwieriger zu finden. Nicht für Jan, wie wir in den nächsten Wochen herausfinden. Er findet jedes Nashorn. Black Rhinos sind allerdings auch erheblich leichter und kleiner als White Rhinos. Sie tragen einen Monat weniger (15 Monate) und sind in ihrem Verhalten oft aggressiver oder defensiver als White Rhinos. Nashörner hinterlassen unverkennbare Spuren im Sand, nur sind sie nicht immer leicht zu lesen. Für Jan gibt es nichts deutlicheres im Busch als diese Spuren und er liest sie wie eine Eilmeldung. Er folgt den Einkerbungen im Sand wie ein Spürhund und gelangt auf wundersame Weise fast immer zum Ziel.

Er liest die richtige Fährte aus mehreren übereinanderliegenden Spuren heraus, erzählt uns, wann das Nashorn den Busch hoch- und wieder runtergelaufen ist und er weiß auch, wie frisch die Spuren sind. Wir haben ehrlich gesagt keine Ahnung, aber wir folgen ihm. Er dreht sich nicht selten um, denn wir laufen eher ungeschickt, treten mit ganzem Fuß laut auf, knacken ständig mit Ästen und rascheln mit Blättern. „Leute“, dreht er sich um, „so wird das nichts. Ihr seid mit Abstand die lauteste Gruppe, die ich seit langem hatte. Schaut ab und zu auf den Boden, worauf ihr tretet und rollt eure Füße leiser am Rand des Fußes ab, sonst finden wir dieses Rhino nie. Sie haben nämlich einen exzellenten Hörsinn.“ Jan orientiert sich neben den Spuren immer wieder am Geräusch der Rotschnabelmadenhacker, die oft ein Indiz für die Präsenz von großen Tieren wie Rhinos sind.


Wir geben uns große Mühe, aber so richtig erfolgreich sind wir nicht. Wir sind es einfach noch nicht gewohnt. Und dann dreht Jan sich plötzlich um und gibt uns ein Zeichen, in die Hocke zu gehen. Er winkt uns in Zweiergruppen zu sich herüber zum Termitenhügel, hinter welchem wir uns verstecken können, denn nur ein paar Meter davor stehen zwei wunderschöne Nashörner. Es ist eine Mutter mit ihrem Kalb. „Der Wind ist optimal, Leute. Noch haben sie uns nicht gerochen oder gehört, also kommt langsam hier herüber und verteilt euch hinter dem Termitenhügel. Seid aufmerksam und wenn ich ein Rückzugskommando gebe, geht ihr umgehend zurück, verstanden?“


Wir hängen nun alle wie ungeschickte Hühner schräg angeklammert am Termitenhügel und geben uns die größte Mühe, nicht aufzufallen. Viele von uns trauen sich fast nicht, zu atmen, denn wir sehen die Rhinos direkt vor uns und es ist ein wahnsinnig aufregender Moment, diese zwei Tonnen schweren Tiere so nahe bei sich zu haben. Sie können verdammt schnell sein, wenn sie wollen und die Schärfe ihres Horns ist nicht zu unterschätzen. Das Nashorn stellt seine Ohren auf und dreht sich jetzt zu uns um, es hat uns entdeckt. Instinktiv weicht es ein paar Meter zurück. Jan setzt seine Faust an seinen Mund und atmet ein paarmal schwer prustend hindurch, gefolgt von lauten Schmatzgeräuschen. Wir wissen nicht warum, aber der Trick funktioniert und das Nashorn kommt ein paar Schritte auf uns zu.
Das Blut in unseren Beinen ist längst abgeklemmt, und wir sitzen mit weit aufgerissenen Augen, wagen es nicht, zu atmen oder zu flüstern und funkeln uns nur aufgeregt mit unseren Augen an.


Was jetzt passiert ist tausendmal besser als Kino und zwei Eimer Popcorn. Ein drittes Nashorn nähert sich dem Geschehen. Es ist ein Bulle. Er hinterlässt einen dicken Haufen. Rhinos kommunizieren mit ihrem Dung. Sie markieren ihr Revier und hinterlassen damit Nachrichten für andere Rhinos. Jeder weiß, dass hier ein Bulle war und sogar, wie alt er ist und dass er dieses Revier für sich beansprucht. Bei Black Rhinos kicken beide Geschlechter den Dung umher, bei White Rhinos nur der Bulle. Es ist ein aufregendes Schauspiel und Jan flüstert uns jetzt leise zu: „Das ist super cool, Leute. Was wir hier beobachten, ist Brunftverhalten. Die Umwerbung kann bei Rhinos ganze zwei Wochen dauern, der eigentliche Paarungsakt dauert dann etwa eine halbe Stunde. Manchmal bleibt der Bulle danach noch zwei Tage. Die Kuh hat bereits ein Kalb und es bleibt ein paar Jahre bei ihr, insbesondere wenn es ein weibliches Kalb ist, dann bleibt es und lernt, wie das nächste Kalb aufwächst.“


Wir staunen, während der Bulle versucht, die Aufmerksamkeit seiner Ausgewählten zu erhalten und er tänzelt etwas ungeschickt um sie herum. Sie scheinen uns nun gar nicht mehr zu beachten, sondern sind ganz konzentriert auf ihr eigenes Verhalten und ziehen schließlich langsam weiter. Das Kalb geht voran und Jan erklärt uns, dass das nur bei Breitmaulnashörnern so ist. Beim Spitzmaulnashorn geht immer die Mutter voran, denn sie sind Laubfresser und die Kuh macht den Weg für das Kalb frei, während das grasende Breitmaulnashorn sich eher in offenen Arealen aufhält, wo das Kalb auch ohne vorauslaufen kann.


Wir gehen ebenfalls wie beschwipst vor Glück zurück zum Landrover und können uns endlich über diese faszinierende Begegnung austauschen. Jan vermittelt uns ein ganz besonderes Gefühl für seine Nashörner und wir sind dankbar dafür. Diese außergewöhnlichen Tiere sind ernsthaft bedroht und ihr Horn ist auf dem asiatischen Markt leider mehr wert als Gold. Viele Reservate machen aus Angst vor Wilderern gar keine Werbung mehr für ihre Rhinos und auch hier in Selati treffen wir immer wieder die anti-poaching-unit, die mit ihren scharfen Gewehren ein genaues Auge auf unsere Rhinos haben.

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Was ist sonst noch auf deiner Afrika-Bucketliste?

Den Trails Guide Kurs möchte ich unbedingt als nächstes machen!


Hier geht es zu Stefanies Blog mit all ihren Erlebnissen bei Ecotraining: Walking in the Wild

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